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Teilleistungsstörungen - was ist das?

Im Alltag hören wir es immer wieder: Mein Kind hat LRS, die sog. Lese-Rechtschreib-Schwäche, oder Dyskalkulie (Rechenschwäche). Beide Störungen gehören zu den Teilleistungsstörungen und können im Rahmen des Schulunterrichtes nur bedingt behandelt werden. Eine zusätzliche Förderung ist hier von Nöten und sollte auch langfristig angelegt sein. 

LEGASTHENIE oder LRS?

 Was bedeutet das überhaupt?

Im ICD-10 (Klassifikation psychischer Störungen des Kinder- und Jugendalters der WHO) ist Legasthenie klassifiziert als umschriebene Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten. Es wird unterschieden zwischen der Lese- und Rechtschreibstörung und der isolierten Rechtschreibstörung. Eine solche Entwicklungsstörung ist darüber definiert, dass sie trotz hinreichender allgemeiner Intelligenz und ausreichender familiärer und schulischer Lernanregungen besteht.

Klingt sehr kompliziert, heißt aber, wie so häufig, dass diese Art der Entwicklungsstörung trotz familiärer Förderung und schulischem Lernen entsteht. Die Kinder lernen anders.

In den 90er Jahren ist man dann dazu übergegangen, nicht mehr die Ursachen oder gar die „Schuldsuche“ der Lese-Rechtschreib-Störung zu suchen (seit den 80er Jahren konnte sich dieser Begriff durchsetzen und beinhaltet vor allem auch leichtere Formen der Legastenie), sondern die Förderwürdigkeit jedes LRS-Kindes in den Mittelpunkt zu stellen (NRW-kultusministerieller Erlass von 1991). Inzwischen gibt es einen ganzen Konvolt an Förderprogrammen und –unterstützungen, was die Umsetzbarkeit im schulischen Kontext leider nicht vereinfacht.

Was ist Rechenschwäche? 

Rechenschwäche, Dyskalkulie, bezeichnet ein Lernversagen im Grundlagenbereich der Mathematik. Menschen, die unter einer Rechenschwäche leiden, haben kein Vorstellungsvermögen für Zahlen. Sie verstehen Addition und Subtraktion als Vorwärts- bzw. Rückwärtszählen, eine Vorstellung vom Rechnen als Mengenhandlung ist bei diesen Menschen nicht entwickelt. Der Aufbau mehrstelliger Zahlen im Zahlensystem ist für diese Menschen ebenfalls fremd. Sie versuchen zu „rechnen“, indem sie abzählen – mit den wachsenden schulischen Anforderungen sind sie immer mehr überfordert.

Wie erkennt man eine Rechenschwäche?

Kinder im Grundschulalter können ihre Rechenschwäche durch sehr schnelles Zählen die ersten Jahre verbergen. Lehrer und Eltern bemerken das grundlegende Unverständnis daher oft erst später.

Eines oder mehrere der sechs hier aufgeführten Kriterien können einen begründeten Verdacht auf Rechenschwäche stärken:

  • kein mathematisches Verständnis für Grundlagen
  • Zählen statt Rechnen
  • Üben hilft nicht, Hausaufgaben dauern viel zu lange
  • Auswendiglernen statt Verständnis
  • kein Lernaufbau möglich
  • Angst und seelische Belastung in Bezug auf Mathematik

In den meisten Fällen treffen mehrere der hier genannten Punkte auf die Schüler zu. Bei einem geringfügigen Verdacht sollte diesen nachgegangen werden, um einer Fehlentwicklung vorzubeugen.

Wie kann hier lerntherapeutisch gefördert werden?

Über verifizierte Verfahren können mit betroffenen Kindern und Jugendlichen die Grundlagen erarbeitet werden, die ihnen fehlen, um im Schulalltag mitzukommen. Wir verwenden u.a. das Verfahren nach AFS. Einzelne Bausteine wie Groß/Kleinschreibung oder der 10er-Übergang werden speziell erneut trainiert und erst nach erfolgreichem Begreifen, im wahrsten Sinne des Wortes, werden andere Puzzlesteine weiter geübt. So setzt sich langsam ein gesichertes Verständnis für das Fach Deutsch oder Mathe zusammen. Diese lerntherapeutische Unterstützung folgt nicht dem schulischen Inhalten des Jahrgangs. Ähnlich wie Krankengymnastik nichts mit dem Unterrichtsfach Sport zu tun hat. Sie legt vielmehr die Möglichkeit dem Schulstoff überhaupt folgen zu können.